



Ja, einzig liebes, teueres Wesen, komm, Dich in meinen Armen auszusprechen und auszuweinen. Ich verstehe Dich gewiss, kein Laut Deines Herzens ist mir fremd, und im ersten Moment unseres Wiedersehens wirst Du in meinem Blick die unendliche Liebe wiederfinden, die ich immer gleich treu und gleich stark für Dich bewahrt habe. Auch ich, meine teure Seele, habe Deine Abwesenheit tief gefühlt. Wie man es auch anfangen mag, immer bleibt eine unaussprechliche Leere und Öde im Herzen, wenn sich die Liebe nicht aussprechen läst. Meine Gedanken waren immer und ununterbrochen bei Dir, aber oft war es mir kaum möglich, die Heftigkeit der Sehnsucht still zu ertragen. Wie ich mich auf Dich freue, kann ich Dir eigentlich nicht sagen. Alles an Dir wird mir neu sein, und im Neuen werde ich mich mit unaussprechlichem Genuß das Alte wiederfinden, was mich nun schon so lange beglückt hat..
Ewig dein H.
Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835) an seine Frau Caroline von Humboldt, geb. von Dacheröden (1766 - 1829)


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