



Ich dürste nach einem Briefe. Ich bin allein, wie im Grabe; wann erweckt mich Deine Hand? Meine Freunde verlassen mich, wir schreien uns wie Taube einander in die Ohren; ich wollte, wir wären stumm, dann könnten wir uns doch nur ansehen, und ich neuen Zeigen kann ich kaum jemand starr anblicken, ohne dass mir die Tränen kämen. Es ist dies eine Augenwassersucht, die auch beim Starrsehen oft vorkommt. Sie sagen, ich sei verrückt, weil ich gesagt habe, in sechs Wochen würde ich auferstehen, zuerst aber Himmelfahrt halten, in der Diligence nämlich. Lebe wohl, lieb Seele, und verlaß mich nicht. Der Gram macht mich Dir streitig, ich lieg' ihm den ganzen Tag im Schoß; armes Herz, ich glaube, Du vergiltst mit Gleichem…
Georg Büchner (1813 - 1837) an seine Verlobte Wilhelmine Jaegle (1810 - 1880)


FeineReime Auftragsarbeiten | Literatur | Geschenkideen
| Rechtliches | Partner