



Meine Geliebte und Freundin,
Ich und mein Herz - wir geben uns in Eure Hände und bitten Euch, uns Eure Gnade zu empfehlen und für uns nicht weniger Zuneigung wegen Eurer Abwesenheit aufzubringen. Denn es wäre sehr schade, wenn unser Schmerz noch vermehrt würde. Eure Abwesenheit bereitet uns davon genug, ja mehr, als ich je gedacht hätte - was uns an einen Satz der Astronomie erinnert, nämlich: Je länger die Tage sind, desto entfernter die Sonne - und desto heißer strahlt sie. So ist es auch mit unserer Liebe: Durch Eure Abwesenheit sind wir getrennt, und dennoch behält jene ihre Blut - zumindest auf meiner Seite; von Euch kann ich nur das Gleiche hoffen. Ich versichere Euch, dass mir der Verdruss über unsere Trennung schon zu groß ist. Und der Gedanke, er könnte sich durch das, was ich erdulden muss, noch verstärken, ist mir fast unerträglich, hätte ich nicht die Hoffnung auf Eure unverbrüchliche Zuneigung zu mir.
Um Euch ab und zu daran zu erinnern, und da ich nicht persönlich bei Euch sein kann, sende ich Euch ein Geschenk, dass jenem soweit wie möglich nahe kommt: Ein Armband mit einem Bild und dem Motto, das Ihr bereits kennt. Ich wünschte, ich wäre an dessen Stelle, wenn Ihr es gestatten würdet. Von der Hand Eures treuen Dieners und Freundes.
König Heinrich VIII. von England (1491 - 1547) an Anna Boleyn (1507 - 1536)


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