



Mein Festtag bist Du. Und wenn ich im Traum zu Dir geh' trag' ich immer Blumen im Haar. Dir möchte' ich Blumen ins Haar legen. Welche? Keine ist rührend einfach genug. Aus welchem Mai soll ich sie holen? - Aber jetzt glaub ich, du hast immer einen Kranz im Haar - oder eine Krone…ich hab' Dich nie anders gesehen.
Ich hab Dich nie anders gesehen, als so, dass ich hätte beten mögen zu Dir. Ich hab Dich nie anders gehört, als so, dass ich hätte glauben mögen an Dich. Ich hab die nie anders ersehnt, als so, dass ich hätte leiden mögen um Dich. Ich hab Dich nie anders begehrt, als so, dass ich hätte knien dürfen vor dir.
Ich bin Dein, wie der Stab dem Wanderer, nur stütz' ich Dich nicht. Ich bin Dein, wie der letzte kleiner Stern der Nacht, ob sie auch kaum von ihm weiß und seinen Schimmer nicht kennt.
Rainer Maria Rilke (1875 1926) an Lou Andreas-Salome (1861 - 1937)


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